Raus aus dem OPAL-Ghetto

26.04.04
Rubrik: fundsachen

UPDATE:
Das Quartiersmanagement Boxhagener Platz hat in "enger Abstimmung mit der Telekom" eine sehr aktuelle Liste des OPAL-nach-Kupfer-Umbaus veröffentlicht.
Kaum gibts bei mir in der Straße DSL, habe ich auch schon gewisse Mühe, dass sich mein Laptop in mein Netz einbucht. Das ist nämlich abgesichert, im Vergleich zu den beiden anderen hier...


JUUUHUUU!! Nach nur vier Jahren hab ich endlich DSL bekommen.
OPAL (=optische Anschlussleitung, Glasfaser) wurde nach der Wende vor allem in den östlichen Bundesländern und im Ostteil Berlins verlegt. Sehr innovativ und eigentlich viel besser als Kupferkabel.

Theorethisch lassen sich damit einige Gigabit für jedes Haus bereitstellen. Nur leider ist die erforderliche Anschlusstechnik um einiges teurer als für das herkömmliche DSL über Kupfer, da Glasfaser eher für breitbandige Netzwerke im Gigabit-Bereich benutzt wird. Ein DSL-Anschluss für 29 Euro monatlich würde da nicht kostendeckend sein.

Hinzu kommt, dass die Regulierungsbehörde für Post und Telekommunikation die Mietpreise für einen enbündelten Teilnehmeranschluss bei Glasfaserleitungen auf fast das dreifache des normalen Kupfer-Anschlusses festgelegt hat. Auch damit konnte kein Mitbewerber eine kostendeckende Alternative zur Telekom bieten.

Offensichtlich hat 2003 ein Sinneswandel bei der Telekom stattgefunden und so werden in Berlin-Friedrichshain gerade fleißig neue Kupferkabel verlegt. Leider informiert die Telekom die auf glühenden Kohlen sitzenden Kunden nicht proaktiv über die gerade hinzugewonne Verfügbarkeit von DSL.

Bisher haben die Mitbewerber der Telekom noch keine Konnekitivät im ehemaligen OPAL-Ghetto. So bin ich zunächst auf T-DSL angewiesen. Das ist möglicherweise dadurch zu erklären, dass die Deutsche Telekom durchsetzen möchte, dass die aus eigenen Finanzmitteln verlegten Kundenanschlüsse nicht zum von der RegTP festgelegten (niedrigen) Preis an Mitbewerber abgegeben werden müssen. Sollte die Telekom damit durchkommen, drohen den Konkurrenten erhebliche Zusatzkosten.

Eine interessante Theorie für den plötzlichen Sinneswandel ergibt sich aus der Tatsache, dass in einigen Teilen des Landes auch das Kabelfernsehen über die OPAL-Glasfasern übertragen wird. Mit dem Verkauf der Netzebene 3 an Goldman-Sachs wäre dieser Teil des Netzes dann mit an den neuen Eigentümer gegangen. Und stünde dementsprechend ohnehin nicht mehr der Deutschen Telekom zur Verfügung. Und die hat nebenbei den ohnehin lästigen OPAL-Ballast zu einem beachtlichen Preis an die neuen Kabelfernsehen-Eigentümer verkauft.
Sollte sich diese Theorie bestätigen, könnte der Telekom ein erheblicher Finanzskandal ins Haus stehen, da die dann ein und dieselbe Glasfaser zweimal in den bisherigen Bilanzen aufgetaucht ist.