Die Kälte und der fiese Eisregen hat mich dazu bewogen, die ökologisch und wirtschaftlich womöglich größte Katastrophe in Brandenburg zu besuchen.
Mitten in der Brandenburger Pampa steht die ehemalige Werft für Transportluftschiffe und soll täglich über 6000 Besucher anlocken. Dem modernen, flexiblen Lebensrythmus angepasst, hat das Tropenparadies rund um die Uhr geöffnet. Ab 21 Uhr kostet der Eintritt nur noch 7,50 Euro für die ersten vier Stunden. ...
An einem Montag Abend war gegen 23.30 deutlich mehr Personal als Besucher anwesend. Die gesuchte Entspannung ist vermutlich nur spät abends zu finden - und wenn man die latent nervige Mallorca-Latino-Musik vom "Strand" her ausblenden kann. Die Getränkepreise halten sich erfreulicherweise auf unterem Mitte-Niveau: Selbst Longdrinks bekommt man zum recht günstigen Preis von 4-5 Euro. Allerdings ist die Wirkung von Alkohol bei 30 Grad Lufttemperatur nicht zu unterschätzen.
Internet
"Tropical Islands betreibt mehrere Hotspots, wo Sie mit Ihrem Laptop oder Handheld kabellos - und kostenlos - ins Internet gelangen." Tja, "ins Internet" kann man mit dem Internet-Zugang nicht, nur "ins Web". Außer den Ports für HTTP und HTTPS ist alles gesperrt. Ein übereifriger IT-Beauftrager hat hier wohl deutlich über die Stränge geschlagen. Ein Sicherheitsgewinn ist das beschnittene Netz sicher nicht. Ich muss da wohl mal ein Wort mit den Leuten reden...
Neben dem WLAN für Gäste dürfte laut RAG INFORMATIK auch ein (verstecktes) WLAN für das RFID-basierte Kassensystem existieren.
Wem trotz Whirlpools, Wasserfall, Cocktail-Bar und Tropenwald-Simulation noch langweilig ist, kann sich mal die RFID-basierten (Mikrochip mit Funkübertragung) Garderobenschrank-Schließsysteme von
DiaLock ansehen. Laut Kundenliste handelt es sich dabei um
LEGIC-Systeme. Für die Tropical Islands eigene Kreditkarte, mit der Getränke und Essen im Paradies bargeldlos gekauft werden, scheint allerdings ein anderes, nicht kompatibles System eingesetzt zu werden. Offensichtlich konnte kein Lieferant eine alles umfassende Systemlösung anbieten.
Auch bemerkenswert die HighTech-Security am Ausgang. Mit einem Textmarker wird die Rechnung als "bezahlt" markiert und dann noch am Ausgang mit einem anderen Textmarker entwertet. Nicht dass jemand auf die Idee kommt, mit einer selbst ausgedruckten Rechnung abzuhauen...
Am schlimmsten ist jedoch der Moment, wenn man wieder in die Realität wechselt. Der Umschwung von 35 Grad Lufttemperatur auf 0 Grad lässt einen sehr schnell wieder die Brandenburger Pampa spüren.
[Update 11-Feb-2005]
Wie mir in einer anonymen Mail mitgeteilt wurde, handelt es sich bei den RFID-Karten nicht um herkömmliche ISO15693-Karten.
Die Garderobenschrank-Transponder speichern die Schranknummer, zu der sie gehören. Außerdem gibt es einen Master-Schlüssel, mit dem die Security nachts die Fächer öffnet, wenn ein Schlüssel zu lange unterwegs ist.
Neben dem WLAN 'gaeste' gibt es noch mindestens zwei weitere, versteckte WLANs ('kassen-mobil' und 'kassen-produktiv'), die WEP-verschlüsselt sind und den Schlüsselaustausch dynamisch per LEAP aushandeln. Die mobilen Bestellterminals, mit denen an Strandbereichen die Bestellungen aufgenommen werden, sind von Symbol. Die Kassen- und Abrechnungssoftware kommt von der Firma Micros-Fidelio. Für den Check-Out am Ausgang werden scheinbar wöchentlich wechselnde "Sicherheitsmerkmale" auf der Rechnung verwendet.
In der Halle befinden sich zwei Webcams der Firma Mobotix vom Typ M10-Secure, die per IP im internen Netz 10.11.13.x angebunden sind.
Schuld an den gesperrten Ports für das 'gaeste' Netzwerk dürfte vermutlich die eingesetzte Cisco PIX Firewall sein.