Maxdome Video-on-Demand (update)

06.09.06
Rubrik: digitalTV

Erfrischend übersichtlich ist das Angebot von "Maxdome", einem neuen Video-on-Demand Angebot aus dem Hause ProSieben/Sat.1. Mobilfunkbetreiber können sich die klare, übersichtliche Preisstruktur als Beispiel nehmen. Video-Abrufdienste gibt es bereits einige, doch nicht alle machen es dem Konsument einfach, ihn auch zu benutzen. Oder das Preis/Leistungsverhältnis ist unangemessen. Mit einem Kollegen zusammen haben wir das Angebot getestet und waren zunächst angenehm überrascht. Besonders interessant dürfte die angekündigte Set-Top-Box sein, mit der sich die Maxdome-Filme direkt auf dem Fernseher anschauen lassen.

Die Webseite war direkt nach der Ankündigung nur schwer zu erreichen. Viele Besucher sind beim Start eines solchen Angebotes aber zu erwarten. Das Angebot ist gut gegliedert, es gibt klare Preislisten. Auch über das Filmangebot wird der potentielle Kunde offen informiert, man kauft keine Katze im Sack. Wir entschlossen uns für das Premium-Paket für 19,90€ pro Monat, was angesichts der großen Vielfalt und der unbegrenzten Anzahl von Filmen nicht übermäßig viel ist. Aktuelle Blockbuster darf man allerdings nicht erwarten. Die gibts illegal, aber kostenlos in der Internet-Tauschbörse.
Vor allem Männer werden sich über die im Preis enthaltenen Vollerotik-Angebote freuen.

Die Anmeldung gestaltete sich etwas holperig. Beim Versuch, sich mit einer Firmenadresse anzumelden, gab es eine unverständliche Fehlermeldung. Eine Nachricht an den Support brachte keine Erleuchtung, nur die Bitte, es noch einmal zu probieren. Als auch das nicht gelang, schickten wir eine zweite Mail an den Support, diesmal mit klaren Worten. Uns dämmerte nämlich, dass bei der Anmeldung eine Scoring-Abfrage bei einer Wirtschaftsauskunftei gemacht wurde, ob die Anmeldedaten korrekt sind. Nur bei einem posititiven Scoring-Wert (eine natürliche Person ist bereits bei der Schufa oder ähnlichen Dienstleistern bekannt) kann die Anmeldung fortgesetzt werden. Das wurde zunächst von der Hotline bestritten, dann aber in einem klärenden Telefongespräch zugegeben. Man versprach Besserung was die unverständliche Fehlermeldung angeht.

Für die Erotik-Angebote ist eine Altersprüfung notwendig. Die dafür erforderliche Legitimation erfolgt über eine Überweisung von einigen Cent auf das vom Kunden angegebene Bankkonto, die einen PIN-Code enthält. Auch eine Woche nach der Anmeldung warten wir auf diese Überweisung.

Das Angebot selbst ist einfach zu benutzen. Man wählt den Film aus, bestätigt und los geht es. Allerdings nur für Windows-Benutzer, weil das Maxdome-Angebot auf Microsofts WindowsMedia DRM-System basiert. So ist dann auch keine private Kopie auf die Festplatte oder auf DVD erlaubt. Maxdome ist ein reines Streaming-Angebot, wo es kein Vor- und Rückspulen gibt. Nur Play, Stop und Pause sind möglich. Die Bildqualität ist selbst auf einem Computermonitor der Übertragungsbandbreite angemessen. Ein 2000kBit/Sekunde DSL-Anschluss ist empfehlenswert.
Beim Test gab es eine deutliche Verschiebung zwischen Bild und Ton auf zwei getesteten PCs, wodurch das Heimkino-Erlebnis deutlich gedämpft wurde. Leider scheiterten alle weiteren Versuche, Maxdome zu erreichen. Die kostenpflichtige 0900-Nummer ist schwer erreichbar und E-Mail-Support gibt es scheinbar nur solange, wie man kein Kunde ist. Für Kunden ist das Mail-Formular nicht erreichbar.

Allerdings scheint entweder T-Online oder Maxdome dem Freitag-Abend-Ansturm nicht gewachsen zu sein: Beim Test zur Primetime war das Angebot praktisch nicht nutzbar. Es ruckelte und gabe mehrere Sekunden lange Aussetzer bzw. Pausen.

Ein besonderes Leckerli hat Maxdome für seine Kunden bereit: Eine Set-Top-Box zum direkten Anschluss an den Fernseher. Somit muss man das persönliche Kino nicht mehr vor dem Schreibtisch-Monitor genießen sondern kann gemütlich auf dem Sofa Platz nehmen. Für 108 Euro inklusive Versand bekommt der Kunde ein Windows-CE-basiertes Gerät von Thomson, welches per Ethernet oder mitgeliefertem WLAN-Adapter mit dem DSL-Anschluss verbunden wird. Ein Test steht noch aus - Maxdome gibt Mitte August als frühesten Liefertermin an.

Allerdings reibt sich bereits eine Kundengruppe die Hände, von der Maxdome nicht so begeistert sein dürfte. Die angekündigte Set-Top-Box entspricht nämlich sehr der von Microsoft zu ihrem Internet-TV-Dienst angebotenen MSNTV2-Box. Ein Vergleich der technischen Daten lässt erwarten, dass man für den subventionierten Preis von gut 100 Euro einen interessanten Mediacenter-PC bekommt. Etwas Bastelei vorausgesetzt ist das Gerät sehr gut geeignet ist, die via Tauschbörse gezogenen Filme auf dem Fernseher darzustellen. Das Gerät arbeitet ohne Lüfter und hat alle erforderlichen Anschlüsse auf der Rückseite. Andere Bastler haben aus der MSNTV2-Box (die es nach Einstellung des Dienstes für 1 US$ bei ebay gab) einen Cluster zur verteilten Berechnung von 3D-Grafiken gebaut.

Nachtrag 27.8.2006:

Mittlerweile sind die PINs für die Altersverifikation per Überweisung gekommen. Auch die für Mitte August versprochene Set Top Box ist geliefert worden. Das Gerät entspricht den Beschreibungen auf der Webseite. Es handelt sich um ein PC-basiertes Gerät von Thomson, auf dem Windows CE läuft. Das Gerät lässt sich sehr einfach einrichten und bedienen. Allerdings stürzte das Gerät bei ersten Tests mehrere Male so kräftig ab, dass es sich nur durch ziehen des Netzsteckers wieder beleben ließ.

Die in der Box eingebaute Hardware ist die IPTV-Plattform "Mamba" von Thomson. Das System ist auf einer 64MB Compact-Flash-Karte gespeichert und kann beim Booten Updates per Internet downloaden. Die für einen Einstieg ins BIOS notwendige serielle Schnittstelle ist nicht bestückt, dürfte aber wie beim Vorgänger "Cobra" direkt neben dem BIOS-Chip sitzen.

Nachtrag 29.8.2006:
Die serielle Schnittstelle sitzt wie erwartet neben dem BIOS-Chip. Die Schnittstelle hat allerdings nur 3,3 Volt Pegel. Das BIOS ist leider nicht so zugänglich wie bei der "Cobra"-Plattform. Eventuell führt ein Weg über ein modifiziertes nk.bin File in die Box.

Nachtrag 6.9.2006:
Eine weitere Analyse hat ergeben, dass die Box auf dem Intel i854 Chip basiert. Dieser unterstützt den passiv gekühlten Celeron 600M beim Videodecoding.

Der Bootloader scheint keine Signatur des Kernel-Image zu prüfen. Ein mit dem Platform Builder erstellter, eigener CE-Kernel wurde vom Bootloader erkannt und initialisiert. Leider geht es dann nicht weiter. Ich bin aber absolut kein CE-Experte. Der nächste Schritt wäre, einen Linux-Kernel in die nk.bin zu packen. Dafür fehlen mir aber die nötigen Tools bzw. das Wissen um die .bib-Dateien für den Platform Builder. Die im Netz verfügbaren Tools legen scheinbar keine gültige pTOC an, so dass der Bootloader das Image nicht akzeptiert.
Da Intel für den i854 ein fast komplettes Entwicklungspaket mit Sourcen für Linux zum Download anbietet, düften sich mit der Hardwareplattform einige nette Dinge anstellen lassen.
Leider fehlen mir noch Informationen darüber, was die fwh.bin-Datei enthält. (fwh -> Firmwarehub)
Zum reinschauen hab ich mal das Log von einigen Bootvorgängen hier abgelegt.

Nachtrag 1.12.2006:
Mittlerweile haben sich auch einige andere Leute der Box angenommen. Sehr gut.